Die Fichte sticht, die Tanne nicht.

Das kleine Weihnachtsbaum-Lexikon für den klugen Hausgebrauch!

 

Hier findet Ihr die wichtigsten Weihnachtsbaumarten einfach erklärt. Die meisten gibt es auf den örtlichen Weihnachtsmärkten, in Gartencentern oder Baumärkten. Besonders viel Spaß macht aber auch das eigene Schlagen des Weihnachtsbaums – erkundigt Euch doch einfach beim zuständigen Forstamt nach Adressen und Terminen. Aber beeilt Euch etwas, denn die schönsten Bäume sind am schnellsten weg.

 

Die Nordmanntanne (Abies nordmanniana) benötigt 12 – 15 Jahre, um Zimmerhöhe zu erreichen; deshalb ist sie mit Abstand der teuerste Baum. Dieser nur fur Weihnachtsbaumzwecke angebaute Baum hat weiche, glänzend tiefgrüne, nicht-stechende Nadeln und eine schöne, gleichmäßige Wuchsform. Die Zweige harzen nicht und können auch schweren Weihnachtsbaumschmuck problemlos tragen.

 

Die Edeltanne / Nobilistanne (Abies nobilis bzw. A. procera) ist noch haltbarer als die beliebte Nordmanntanne. Sie hat weiche, blaugrüne Nadeln, die nach Orangen duften. Erkennen kann man
die Nobilistanne auch an ihren etagenförmig angeordneten Zweigen. Ihren Geruch kann man ordentlich verstärken, wenn die am Stamm befindlichen Harztaschen - das sind so kleine Beulen - mit einer Nadel angepiekst werden. Dieser kleine Trick ist ziemlich unbekannt. Probiert es doch einfach einmal aus. Ihr werdet überrascht sein.

 

Die Fichte (Picea abies) ist der preiswerteste Weihnachtsbaum, hat aber von allen Arten die geringste Haltbarkeit, denn er nadelt in warmen Räumen schon nach wenigen Tagen. Die Fichte hat  dunkelgrüne, nur mäßig stechende Nadeln. Tipp: Verbindet das Besorgen Eures eigenen Weihnachtsbaums mit einem Tagesausflug kurz vor Weihnachten zu den freigegebenen Schonungen. Denn Fichten werden am besten immer erst kurz vor dem Fest geschlagen.

 

Die Blaufichte (Picea pungens) hat einen blauen Schimmer auf den Baumnadeln, dessen Intensität

einerseits vom Typ, andererseits von der Witterung abhängig ist. Sie ist ein Klassiker unter den Weihnachtsbäumen. Aufgrund ihrer starken, gleichmäßig etagenförmig gewachsenen Äste ist sie besonders für schweren Baumschmuck und für echte Kerzen geeignet. Ihre Nadeln stechen stark und duften sehr nach Wald. Die Blaufichte wird daher auch Stechtanne genannt, was Quatsch ist, da es sich schlöießlich um eine Fichte handelt.

 

Die deutsche Rotfichte (Picea rubens) wird oft in Forstanlagen angeboten. Allerdings muss, wer sich
für diese Sorte entscheidet, auch in Kauf nehmen, dass der Baum sehr schnell nadelt und schneller in
Flammen aufgeht als andere Arten. Also Vorsicht beim Schmücken und Bestücken mit echten Kerzen. Andererseits sind Rotfichten schön schlank im Wuchs und riechen gut. Auch hier unser Tipp: So spät wie möglich und am besten selber schlagen.

 

Die Douglasie (Pseudotsuga menziesii) hat weiche, dünne Nadeln, die einen intensiven Zitrusduft verströmen, sowie dünne, biegsame Zweige und ist deshalb nur für leichten Baumschmuck geeignet.
Ihre Haltbarkeit ist etwa mit der Blaufichte zu vergleichen. Douglasien stammen ursprünglich von
der Pazifikküste Nordamerikas, werden aber auch in Europa und Deutschland gezüchtet.

 

Die Kiefer (Pinus sylvestris) hat schöne Nadeln und einen interessanten Wuchs. Dieser ungewöhnliche
Weihnachtsbaum bleibt in der Wohnung lange frisch. Bemerkenswerterweise sind Kiefern als Weihnachtsbaum in Deutschland nicht so beliebt, wie in unseren europäischen Nachbarländern. Möglicherweise, weil die Kiefer relativ schwer zu schmücken ist. Dafür duftet sie sehr schön nach Wald.

 


Der Star - Vogel des Jahres 2018

Der Star (Sturnus vulgaris) ist ein Singvogel. Es gibt zahlreiche Gattungen und Arten, die unterschiedlich groß sind und in verschiedenen Regionen der Welt leben. Ihr Gefieder ist je nach Art und Gattung verschieden. Es gibt Stare mit schwarzem oder dunklen Gefieder oder auch mehrfarbige Arten. Die meisten Arten haben einen leicht metallischen Glanz. Manchmal schillern die Federn auch wie bei Seifenblasen.

 

Nester

Stare bauen ihre Nester fast immer in Hohlräumen. Dort legen sie blasse hellblaue oder weiße Eier. Oft sind die Eier auch gesprenkelt.

 

Lebensraum und Nahrung

Die Vögel treten meist in Scharen auf. Sie leben gerne in offenen Landschaften mit leichtem Baumbestand. In einigen Regionen der Welt leben sie auch in Wäldern. Sie ernähren sich vorwiegend Insekten und Früchten. Manchmal sind Gruppen von hunderten oder sogar tausenden Vögeln gemeinsam unterwegs. Die fallen gerne in Obstanbaugebieten ein, in denen sie manchmal erhebliche Teile der Ernten vernichten. Die Obstbauern versuchen sich dabei z.B. mit großen Netzen, die über die Bäume gespannt werden, zu schützen. Vor allem in Südtirol kann man das ganz gut beobachten. Wenn man von den Bergen ins Tal schaut, sieht man fast überall große, schwarze Netze über den Apfelplantagen.

 

Kulturfolger

Manche Stare fressen auch Reste der menschlichen Nahrung. Diese Arten leben als sogenannte Kulturfolger in der Umgebung von menschlichen Siedlungen.

 

Kommunikation

Die Stare kommunizieren mit vielfältigen Lauten. Einige Arten imitieren Laute anderer Tiere und Vogelarten. In dem sie einen Fressfeind oder Warnrufe nachahmen, vertreiben sie andere Vögel. Dann können sie die Früchte alleine fressen und müssen nicht teilen. Andere Stare imitieren auch Teile der menschlichen Sprache oder die Alarmanlagen der Autos.


Der König des Waldes

Der Rothirsch (Cervus elaphus) ist das größte Wildtier in Deutschland. Der König des Waldes lebt in großen, zusammenhängenden Waldgebieten, obwohl er eigentlich eine Art der Steppe ist. Da er aber viel Ruhe braucht und sich vom Menschen schnell gestört fühlt, hat er sich im dicht von Menschen besiedelten Europa in die Wälder zurückgezogen.

 

Weibliche Tiere werden als als Tier oder Kahlwild (Mehrzahl) bezeichnet. Das Jungtier nennt man Kalb. Ein Weibachen das bereits ein Kalb gesetzt (geboren) hat, wird als Alttier bezeichnet. Ein führendes Alttier ist ein Alttier, das von einem Kalb begleitet wird. Weibliche Rothirsche im zweiten Lebensjahr werden Schmaltiere genannt (wenn sie nicht tragend, also schwanger, oder führend, also mit Kalb, sind.

 

Männliches Rotwild heißt Hirsch. Hirsche werden nach der Endenzahl ihrer Geweihstangen unterschieden. Ein Zwölfender ist beispielsweise ein Rothirsch, bei dem mindestens eine Geweihstange sechs Enden oder Sprossen aufweist. Ist dies bei beiden Geweihstangen der Fall, spricht man von einem „geraden“ Zwölfender, hat eine der beiden Stangen weniger Enden, von einem „ungeraden“ Zwölfender.

 

Die Geweihstangen sitzen dabei auf kurzen Stirnzapfen, den sogenannten Rosenstöcken. Jährlich baut der Hirsch ein neues Geweih auf, nachdem er im Februar die Stangen des Vorjahres abgeworfen hat. Junge männliche Hirsche, deren Geweihe noch keine Verästelungen aufweisen, nennt man Spießer. Aus dem Spießer wird ein Gabler. Das heißt, dass die Stange zwei Enden hat – wie eine Gabel. Ein Hirsch mit drei Enden pro Stange wird zum Sechser, mit vier Enden zum Achter. Das geht immer so weiter. Wenn eine Geweihstange am Ende mindestens drei Enden hat, nennt man das eine Krone. Man spricht dann von einem Kronenhirsch.

 

Rotwild äst (frisst) Gras, Kräuter, Rüben und Kartoffeln (die mit den Vorderläufen ausgegraben werden), Eicheln, Bucheckern, Kastanien, Obst, verschiedene Pilze, Baumrinde, Moos, Flechten, Heidekräuter, Knospen und junge Zweige von Bäumen und Sträuchern. Wenn zu viel Rotwild in einem Gebiet lebt, kann es großen Schäden im Wald anrichten. Dann kann es passieren, dass es die Baumrinde abfrisst (schälen). Das passiert auch, wenn es durch Spaziergänger, Radfahrer, Jogger oder Jäger zu sehr gestört wird. Dann kommt das Rotwild nicht mehr aus dem Wald auf die Wiesen und frisst nur noch im Wald die Rinde der Bäume.

 

Während der Paarungszeit (Brunft) im September versammeln sich der kräftigste Hirsch (Platzhirsch) und die Tiere an einer bestimmten Stelle, zum Beispiel einer Waldlichtung. Der Platzhirsch verteidigt sein Rudel gegenüber anderen Hirschen indem er laute, drohende Geräusche von sich gibt. Man nennt das Röhren. Manchmal kämpfen die Hirsche auch mit ihren großen Geweihen gegeneinander. Der Sieger bleibt beim Kahlwild und der Verlierer muss sich zurückziehen. Wenn Du mal die Gelegenheit hast, die Brunft zu beobachten, erwartet dich ein beeindruckendes Naturschauspiel. Im aktuellen RWJ gibt’s auf Seite 24 Hinweise, wo man die Hirschbrunft beobachten kann.

Foto: Felix Höltmann

 

 

Der geheimnisvollen Sprache der Ameisen auf der Spur.

Wer das emsige Leben in und um einen Ameisenhaufen herum beobachtet, kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus. Wer weiß schon, dass dieses hektische Leben in wohlgeordneten Bahnen verläuft? Gesteuert von einer Vielzahl chemischer Botenstoffe, die man Pheromone nennt.

Unser Wissen über Pheromone, einer Gruppe jener Botenstoffe, stammt überwiegend aus Studien an Insekten.

 

Bei den sozial lebenden Ameisen entdeckten die Forscher tatsächlich einen „molekularen Wortschatz” mit bis zu 20 verschiedenen Signalen, von denen die meisten Duftnoten sind. Man kann sich das also in etwa so vorstellen, als ob die fleißigen Tierchen Nachrichten als Postings, Tweets oder Flashmob Aufforderungen senden. Einen Ameisenstaat als Wunder der Kommunikation zu bezeichnen, trifft‘s genau. Und vielleicht sind Ameisen ja sogar die kleinsten Nerds der Welt? Es ist klar, dass wir Ameisenhaufen natürlich in Ruhe lassen und das empfindliche Gebäude mit seinem ausgeklügelten System zur Belüftung und Temperaturregelung weder mit Stöcken, Steinen oder Ästen attackieren und zerstören. So etwas machen nur total gemeine Vollpfosten, die keinen Respekt vor der Natur haben.


Seit 2006 unter scharfer Beobachtung:

Procyon Lotor, der gemeine Waschbär


Der Waschbär (Procyon lotor) ist ein in Nordamerika heimisches mittelgroßes Säugetier. Seit 1934 lebt er auch in Deutschand. Er wird deshalb als Neozoon bezeichnet. Das bedeutet, dass das Tier eigentlich in einer anderen Region der Welt heimisch ist, sich bei uns aber etabliert hat. Die Waschbären in Deutschland sind entweder aus Gehegen entkommen oder wurden ausgesetzt.

 

Ausgangspunkt: Edersee

Ein wichtiges Ereignis dabei war das Aussetzen von zwei Waschbärpaaren am 12. April 1934 am hessischen Edersee. In dieser Region leben auch heute noch die meisten Waschbären in Deutschland, denn das Gebiet um den Edersee stellt für die ausgesetzten Waschbären einen fast optimalen Lebensraum dar.

 

Körperbau und Lebensraum

Waschbären sind überwiegend nachtaktive Raubtiere und leben bevorzugt in gewässerreichen Laub- und Mischwäldern. Aufgrund ihrer Anpassungsfähigkeit leben sie zunehmend auch in Bergwäldern, auf Salzwiesen sowie in Dörfern und Städten.

 

Mit einer Körperlänge zwischen 41 und 71 Zentimeter und einem Gewicht zwischen 3,6 und 9,0 Kilogramm ist der Waschbär der größte Vertreter der Familie der Kleinbären. Typisch für den Waschbären ist die schwarze Gesichtsmaske.

 

Ernährung

Waschbären sind Allesfresser und ernähren sich von Pflanzen, Käfern, Schnecken, Würmern, Fischen, Fröschen, Kröten und manchmal von Vögeln oder Mäusen. In Gefangenschaft gehaltene Waschbären tauchen ihre Nahrung oft unter Wasser, was als „Waschen“ gedeutet wurde. Sehr wahrscheinlich ist das aber eine Leerlaufhandlung zur Imitation der Nahrungssuche an Fluss- oder Seeufern, wo er, unter Steinen und anderen Verstecken tastend, nach Krebsen oder anderen Nahrungstieren sucht.

 

Bejagung

 2013 wurden erstmals mehr als 100.000 Waschbären von Jägern erlegt. Da der Waschbär vor allem in der Nacht aktiv ist, wird er meist mit der Falle gefangen. Es ist wichtig, den Waschbären zu bejagen, da er sich sehr stark ausbreitet und z.B. bedrohten Vogelarten gefährlich wird. Waschbärfelle sind begehrte Pelze und werden zu Mänteln, Jacken oder Mützen verarbeitet. Das Fell ist sehr weich und wärmt sehr gut.

 

Verstädterte Waschbären

Weil er anpassungsfähig ist, lebt der Waschbär mittlerweile auch in Dörfern und Städten. Man nennt ihnen deshalb einen „Kulturfolger“. Seit den 1960er Jahren beherbergt die nordhessische Großstadt Kassel die dichteste Waschbärpopulation in ganz Europa. Dort leben ungefähr 50 bis 150 Tieren pro Quadratkilometer. Hohe Populationsdichten werden auch aus anderen Ortschaften in Nordhessen und Südniedersachsen gemeldet – also in der nähe des Edersees, wo die ersten Waschbären ausgesetzt wurden.

 

In Kleinstädten und Vororten schlafen viele Waschbären im nahen Wald und wandern zur Nahrungssuche in die Orte. Früchte und Insekten in Gärten und Speisereste im Müll sind leicht verfügbare Nahrungsquellen. Außerdem gibt es eine große Anzahl zusätzlicher Schlafplätze wie Baumhöhlen in alten Gartenbäumen, Gartenhäuschen, Garagen, verlassenen Häusern und Dachböden. Dort bringen sie auch ihre Jungen zur Welt. Angeblich schläft fast jeder zweite Waschbär in Kassel in einem Haus.

 

Die steigende Anzahl an Waschbären im menschlichen Siedlungsraum hat zu sehr unterschiedlichen Reaktionen geführt, die von totaler Ablehnung bis zur regelmäßigen Fütterung der Tiere reichen. Die meisten Behörden und einige Wildtierexperten warnen aber davor, Wildtiere zu füttern. Die werden dadurch nämlich immer aufdringlicher.

 

Ausgeräumte Mülltonnen und abgeerntete Obstbäume werden von den Hausbesitzern meist nur als lästig angesehen werden. Aber die Reparatur von Schäden, die Waschbären bei der Nutzung von Dachböden als Schlafplatz verursachen, kann mehrere tausend Euro kosten.

 

Das Erlegen einzelner Tiere löst das Problem jedoch in der Regel nur kurzfristig, da geeignete Schlafplätze entweder mehreren Waschbären bekannt sind oder bald wiederentdeckt werden. Deshalb sind vorbeugende Maßnahmen wichtig. Das bedeutet, dass man Äste abschneidet, über die die Waschbären aufs Dach und ins Haus gelangen. Oder man verhindert mit speziellen Vorrichtungen, dass die Waschbären die Regenrinne hochklettern können.

 

Der unerwünschte Gast

Der Waschbär ist 2016 in die „Liste der unerwünschten Spezies“ für die Europäische Union aufgenommen worden.


Das Frettchen

Das Frettchen ist die gezähmte Haustierform des Europäischen Iltis. Durch Kontakt mit Menschen können Frettchen sehr zahm werden. Der Mensch hat sie gezähmt, um mit ihnen gemeinsam etwa Kaninchen zu jagen. Schon im antiken Griechenland, vor über 2500 Jahren, haben Menschen mit Frettchen gejagt. Im alten Rom wurden Frettchen eingesetzt, um eine Kaninchenplage in den Griff zu bekommen.

 

Die Jagd mit dem Frettchen nennt man Frettieren. Dabei wird das Frettchen vom Jäger in den Kaninchenbau gesetzt. Das Frettchen folgt der Geruchsspur des fliehenden Kaninchens und jagt es aus dem Bau. Dieses wird dann vom Jäger am Ausgang des Baus erwartet. Dann kann der Jäger das Kaninchen mit einem Schrotschuss erlegen oder in speziellen Netzen fangen. Diese Netze nennt man "Sprengnetze".

 

Das Frettieren mit Netzen ist für Jäger in der Stadt interessant. Denn so kann er in bewohnten Gebieten, in Parks oder auf Friedhöfen jagen, ohne einen Schuss abgeben zu müssen. Gerade auf Friedhöfen und in Parks richten die Kaninchen nämlich oft große Schäden an.

 

Heute werden Frettchen aber nicht nur zur Jagd, sondern auch als Haustier gehalten. Sie benötigen viel Platz und eine ausgewogene Ernährung. Frettchen schlafen etwa 14 bis 18 Stunden pro Tag. Frettchen benötigen Nahrung, die zu 80 Prozent aus tierischen und nur zu 20 Prozent aus pflanzlichen

Bestandteilen besteht.

 

Meister Lampe (Der Feldhase)

Der Feldhase ist ein Säugetier, dass früher sehr häufig in unseren Revieren vorkam. In den vergangenen Jahren ist die Zahl der Hasen leider gesunken. Dafür gibt es verschiedene Gründe. Vor allem fehlen dem Hasen als Lebensraum Hecken und Brachflächen. Außerdem gibt es heute etwa dreimal so viele Füchse wie vor 30 Jahren. Das bedeutet, dass der Hase heute viel mehr Feinde hat und viele Junghasen gefressen werden. Außerdem fressen verschiedene Greifvögel und Rabenvögel die Junghasen.

 

Der Feldhase ist überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv. Die Tiere sind außerhalb der Paarungszeit Einzelgänger und ruhen am Tag in der Sasse. Damit ist eine flachen, meist gut gedeckte Mulde auf dem Feld gemeint. Bei Gefahr drücken sie sich bewegungslos an den Boden und ergreifen erst im letzten Moment die Flucht. Hasen erreichen dabei über kurze Distanz Geschwindigkeiten bis zu 70 km pro Stunde und springen bis zu 2 m hoch. Die Tiere können auch gut schwimmen. Hasen ernähren sich von grünen Pflanzenteile, aber auch von Knollen, Wurzeln und Getreide. Manchmal fressen sie auch die Knospen von jungen Bäumchen.

 

Bei der Fortpflanzung kämpfen die Männchen um ein empfängnisbereites Weibchen. Dabei jagen sie sich und schlagen mit den Vorderpfoten aufeinander ein. Das nennt der Jäger auch boxen. Die Fortpflanzungszeit dauert in Mitteleuropa von Januar bis Oktober, die Weibchen bekommen im Jahr 3- bis 4-mal Junge. Die Tragzeit beträgt etwa 42 Tage. Die Würfe umfassen 1 bis 5, ausnahmsweise 6 Junge. Die frisch geborenen Junghasen wiegen 100–150 Gramm und sind Nestflüchter. Das heißt, sie werden behaart und sehend geboren. Als Nestflüchter leben die Junghasen allein, aber nicht verlassen und sollten von Menschen weder angefasst, noch mitgenommen werden. Die Häsin kommt nur etwa zweimal am Tag zum Säugen. Hasen können bis zu 12 Jahre alt werden. Die Hälfte der Hasen wir aber nicht einmal ein Jahr alt.

 

Seit den 1960er Jahren nimmt der Bestand in vielen Teilen Europas stark ab. Als ein wichtiger Grund wird die Intensivierung der Landwirtschaft angesehen. Das bedeutet, dass vor allem der zunehmende Einsatz von Maschinen (Trecker, Mähwerke, etc.) viele Hasen tötet. Außerdem sind die Lebensräume für Hasen kleiner geworden. Es gibt weniger Hecken und Brachflächen. Das sind Felder, die nicht genutzt werden und wo viele verschiedene Gräser und Kräuter wachsen. Diese Pflanzen bieten dem Hasen Deckung und Futter. In Deutschland wird der Hase daher in der Roten Liste als gefährdet geführt. Im nordwestdeutschen Tiefland, also auch in Nordrhein-Westfalen, ist der Bestand aber mit 18 Tieren pro Quadratkilometer im Moment stabil. Trotzdem gab es bei uns früher deutlich mehr Hasen. Deshalb versuchen die Jäger den Hasen durch Verbesserungen seines Lebensraums und die Jagd auf den Fuchs zu helfen. Denn die Jäger wünschen sich von jeder Art viele gesunde Tiere.

 

In der Jägersprache nennt man den Hasen übrigens auch Meister Lampe. Die Ohren heißen Löffel, die Augen Seher und den Schwanz nennt man Blume. Wegen seiner Gestalt wird der Hase auch der Krumme genannt.


Wiehern im Wald

Ohne sein Smartphone macht Simon leider keinen Schritt vor die Tür. Und heute ist Waldspaziergang mit der Familie angesagt. Aber was ist das? Geht's noch? Verdutzt zieht er die Stöpsel seines Kopfhörers aus den Ohren. Trotz der Musik hat er ein mächtiges Wiehern gehört. Es stammt von Vulkan, einem deutschen Kaltblut-Hengst, der zweihundert Meter entfernt gegen ein Kommando seines Pferdeführers protestiert. Fasziniert schaut Simon zu und vergisst völlig seine Playlist.

 

Vulkan ist ein sogenanntes Rückepferd, er soll einen bemoosten Eichenstamm ziehen. Die vierbeinigen Waldarbeiter werden wieder häufiger eingesetzt, denn die Rückepferde belasten den Boden nicht so stark wie die großen Holzerntemaschinen (Harvester) und Lastwagen. Und weniger Platz zum Arbeiten brauchen sie auch.

 

Zweimal, dreimal ertönt das Kommando, dann fügt sich das große Tier und schleppt das Holz zur nächsten Rückegasse. Vulkan hat Erfahrung. Schon seit acht Jahren arbeitet das Tier jeden Winter im Wald. Mit seinen gut 850 Kilogramm Gewicht und mächtigen Muskeln hat Vulkan kein Problem, die Eiche zu bewegen. Sobald der Führer "Hoi" sagt, geht es nach rechts, bei "Ha" nach links.

 

Ein gepolsterter Kragen, der "Kumt" verteilt die Zuglast auf Brust und Rücken des Tieres. Der Pferdeführer geht neben dem Pferd und hat es an einem langen Zügel. Das Geschirr hat er bei den Amischen* in den USA gekauft und die deutsche Geschirr-Entwicklung blieb ja im Jahre 1935 stehen, antwortet er auf Simons Frage nach dem ganzen Lederzeug am Pferd.

 

Nach dem Zweiten Weltkrieg machte die Mechanisierung in der Holzwirtschaft Pferdegeschirre weitgehend überflüssig. Rückepferde wurden nur noch in steilen, nicht für Maschinen zugänglichen Waldstücken eingesetzt. Spätestens seit den 1960er Jahren holen Spezialtraktoren die Stämme aus dem Wald, Forwarder sägen sie ab und hieven sie an die Rückegasse. Ein Lkw hebt sie mit dem Kran auf und transportiert sie ins Sägewerk. Damit Maschinen den Wald abernten können, muss er alle zwanzig Meter eine befahrbare Schneise haben. Der Boden wird durch das Gewicht der Maschinen verdichtet. Das hat Folgen: Das Regenwasser läuft aus dem Wald - die Rückegassen wirken wie Abflussrohre. Nicht gut, wie man sich denken kann.

 

RWJunior-Meinung: Rückepferde können Forstmaschinen nicht ersetzen. Aber wenn Mensch, Maschine und Pferd gut zusammenarbeiten, ist das wirtschaftlich und schont den Wald.


Das Reh - unsere häufigste Wildart

Das Reh (Capreolus capreolus) ist die in Europa häufigste und kleinste Art der Hirsche. Männliche Rehe nennt man Böcke. Weibliche Rehe werden als Ricken bezeichnet. Ausgewachsene Rehe haben eine Körperlänge von 93 bis 140 Zentimeter und erreichen eine Schulterhöhe zwischen 54 und 84 Zentimeter. Sie wiegen je nach Ernährungszustand zwischen 11 und 34 Kilogramm. Tendenziell steigt das Gewicht vom wärmeren zum kälteren Klima. So wiegen Ricken im Südwesten Spaniens im Schnitt 17,1 kg und in Norwegen 28,8 Kilogramm. Rehböcke sind nur unwesentlich schwerer und größer als Ricken.

 

Das Gehörn

Nur die Böcke tragen ein Geweih. In der Jägersprache wird das Geweih als Gehörn bezeichnet. Da das Geweih eine Überschussproduktion des Körpers ist, spielen bei seiner Entwicklung neben dem Alter der Böcke auch die Ernährung eine Rolle. Erst nach dem Abschluss der körperlichen Entwicklung des Bocks kann die Geweihentwicklung ihren Höhepunkt erreichen.

 

Bei den Böcken fällt das Geweih jedes Jahr im Spätherbst ab und beginnt unter einer schützenden und nährenden Basthaut sofort neu zu wachsen. Die Wachstumsphase des Geweihs dauert etwa 60 Tage und endet im Januar. Die Basthaut stirbt nach Abschluss der Geweihbildung ab und wird vom Bock durch Abstreifen (Fegen) an Büschen und jungen Bäumen von der verbleibenden Knochenmasse entfernt. Das Fegen des Geweihs schadet den jungen Bäumen sehr, manche sterben ab, weil die Rinde durch das Fegen komplett zerstört wird. Darüber hinaus richten Rehe Verbissschäden, in Wäldern an, indem sie Knospen und Trieber junger Bäume fressen. Die Bäume werden dadurch massiv geschädigt.

 

Böcke, die mindestens zwei Jahre alt sind, fegen ihre Geweihe während der zweiten Märzhälfte. Einjährige Böcke fegen dagegen ihr Geweih sieben bis acht Wochen später. Junge Böcke verlieren früher das grau-braune Winterfell und „färben sich rot“. Die älteren Böcke hingegen „färben“ spät, wenn das Geweih schon verfegt ist. Daran kann man das Alter eines Bockes im Frühjahr gut bestimmen.

 

Lebensraum

Das Reh besiedelte ursprünglich Waldränder und Lichtungen. Es hat sich aber erfolgreich eine Reihe sehr unterschiedlicher Habitate erschlossen und kommt mittlerweile auch in offener, fast deckungsloser Agrarlandschaft vor. Optimale Rehhabitate bestehen aus einem engmaschigen Mosaik von forstlich und landwirtschaftlichen genutzten Flächen und weisen Dickungen, Althölzer, Wiesen sowie mit Sträuchern und Kräutern bewachsene Schneisen und Wegränder auf.

 

Nur in hochalpinen Regionen oberhalb der Baumgrenze kommen Rehe selten vor. Gegenden mit strengen Wintern und hohen, lang andauernden Schneelagen sind für Rehe nämlich wenig geeignet, da sie sich in hohem Schnee nur schlecht fortbewegen und an Nahrung gelangen können.

 

Rehe sind Kulturfolger, die vom Menschen geprägte Lebensräume besiedeln. Auf Grund ihrer geringen Größe genügen ihnen kleine Wäldchen oder Hecken als Deckung. Dort wo viel Dam-, Sika- oder Rotwild vorkommt, sind Rehe tendenziell seltener.

 

Ernährung

Rehe sind Wiederkäuer und werden als Konzentratselektierer bezeichnet, da sie bevorzugt eiweißreiches Futter äsen. Sie äsen gerne Kräuter, Gräser sowie Knospen und Triebe von Bäumen. Oft äsen sie Pflanzen, die in ihrem Lebensraum selten vorkommen. Auf Äckern nehmen Rehe gerne Raps, aber auch Weizen und Hafer zu sich. Die Gerste mit ihren langen Grannen wird dagegen eher verschmäht.

 

Lebensweise

Im Sommerhalbjahr lebt der Rehbock einzeln, das weibliche Rehwild in kleinen Gruppen, bestehend aus einer Ricke und ihren Kitzen. Im Winter bilden sich größere Gruppe, so genannte Sprünge, die meist mehr als drei oder vier Tiere umfassen. Rehe, die in der offenen Agrarlandschaft leben, bilden sogar Sprünge von mehr als zwanzig Tieren.

 

Sinne

Rehe riechen einen Menschen aus einer Entfernung von 300 bis 400 Metern. Die seitlich stehenden Augen erlauben dem Reh ohne Kopfdrehung einen weiten Umkreis zu überblicken. Rehe reagieren besonders auf Bewegungen, das Erkennungsvermögen für unbewegte Gegenstände ist nicht sehr hoch entwickelt. Dies ist vermutlich auch der Grund, warum Rehe gegenüber einem stillstehenden Objekt beim Sichern auffällig das Haupt heben und senken. Bei Störungen richten Rehe den Kopf auf und starren die Ursache der Störung an, wobei sie sich oft seitwärts stellen. Dieses charakteristische Verhalten wird Sichern genannt.

 

Rehe reagieren auf verschiedene Laute sehr unterschiedlich. Rehe können sich an laute Geräusche gewöhnen und lassen sich beispielsweise durch die Lärmkulisse einer Autobahn beim Äsen nicht stören. Dagegen kann das leise Knacken eines trockenen Zweiges bei ihnen Sichern und Flucht auslösen.

 

Lautäußerungen

Ein bellender Laut ist die auffälligste und am häufigsten zu vernehmende Lautäußerung des Rehs, er wird in der Jägersprache als „Schrecken“ bezeichnet. Belllaute sind meist dann zu hören, wenn Rehe aufgeschreckt werden, aber die Ursache der Störung noch nicht identifiziert haben. Der Laut drückt eher Erregtheit und Aggression als Angst aus. Ein bellendes Reh signalisiert dem Störer unter anderem, dass es ihn entdeckt hat – für einen potentiellen Fressfeind ist in diesem Fall eine weitere Annäherung sinnlos. Seinen Artgenossen teilt das Reh über das Bellen auch mit, wo es sich befindet. In einigen Regionen sind im Sommer morgens und abends deswegen für etwa eine halbe Stunde bellende Rehe zu vernehmen.

 

Mit fiependen Lauten locken sich Kitz und Ricke dagegen gegenseitig. Auch während der Brunft ruft die Ricke fiepend nach dem Bock. Für den Bock ist dagegen beim Treiben der Ricke oder beim Vertreiben eines anderen Bockes häufig ein keuchendes, pfeifendes Schnauben zu vernehmen.


RWJunior stellt vor: Waldkauz - Vogel des Jahres 2017

Zwei junge Waldkäuze. Foto/Quelle: RWJ
Zwei junge Waldkäuze. Foto/Quelle: RWJ

Der Waldkauz (Strix aluco) ist eine mittelgroße Eulenart mit einer Verbreitung von Europa bis nach Westsibirien und Iran. In Mitteleuropa ist der Waldkauz gemeinsam mit der Waldohreule die häufigste Eule. Als Brutareal benötigt er vielfältige Landschaften, in denen sich Wälder und Baumgruppen mit offenen Flächen abwechseln. Er ist ein Höhlenbrüter, der neben Baumhöhlen auch in Mauerlöchern, Felshöhlen oder auf Dachböden brütet. Sein Bestand ist nicht gefährdet.

 

Das Weibchen ist mit rund 42 cm etwas größer - und mit etwa 400 bis 650 g auch schwerer als das Männchen. Er frisst bevorzugt Mäuse, kann seine Ernährung aber auch auf Kleinvögel umstellen, wenn er nicht genügend Mäuse findet.

 

Von September bis November sowie im zeitigen Frühjahr ist der Reviergesang des Männchens weithin hörbar. Der typische Ruf des Waldkauzes ist das vom Männchen geäußerte langgezogene, heulende „Huh-Huhuhu-Huuuh“, das vorwiegend während der Balzzeit zu hören ist. Der Flug hingegen ist geräuschlos. Käuze lassen lediglich ein Schnabelknappen hören wenn sie agressiv und aufgeregt sind.

 

Obwohl der Waldkauz alte Laub- und Mischwälder mit großen, alten Bäumen bevorzugt, ist er auch häufig in Nadelwäldern und in der Kulturlandschaft anzutreffen. Wenn sie sich einmal ein Revier erobert haben, nutzen sie es ihr Leben lang. Er ist grundsätzlich sehr anpassungsfähig und brütet beispielsweise in der baumarmen Dünenlandschaft der Niederlande auch in Kaninchenhöhlen. Er besiedelt auch urbane Lebensräume und brütet in Parkanlagen, auf Friedhöfen und in Gärten mit altem Baumbestand. Bleibt er ungestört, brütet er auch in direkter Nähe zum Menschen. Daher kommt es verhältnismäßig häufig zu Bruten in Scheunen oder in den Schornsteinen alter Häuser.

Der Waldkauz ist vorwiegend nachtaktiv. Den Tag verbringt er meist in schützender Deckung, die er nur bei Störung oder extremer Kälte verlässt. Seine Aktivitätsphase beginnt etwa mit der Dämmerung, wenn Menschen in freier Natur fast nichts mehr sehen können. Das Brutgebiet ist gewöhnlich im Jagdgebiet integriert. Die Größe des Jagdgebieteshängt von der Struktur und der Zahl der Beutetiere ab - und ob eine entsprechende Anzahl von Ansitzwarten zur Verfügung steht.

 

Der tägliche Nahrungsbedarf eines Waldkauzes beträgt ungefähr 60 bis 70 Gramm . Das entspricht etwa vier Feldmäusen. Das Nahrungsspektrum des Waldkauzes ist sehr breit. Er kann Beutetiere schlagen, die seinem Körpergewicht entsprechen. Er schlägt daher auch Kaninchen und Eichhörnchen. In guten Mäusejahren besteht die Nahrung aber zu einem großen Teil aus Mäusen. Die Jagd erfolgt meist im nahezu lautlosen Suchflug entlang von Waldrändern, Wegen oder waldnahen Wiesen und Feldern. Vernimmt er die leisen Pfiffe der Mäuse, fliegt in Richtung der Lautquelle. Hat der Waldkauz eine Maus erbeutet, knetet er diese zwischen den Fängen zunächst durch und verschlingt sie dann im Ganzen mit dem Kopf voran. Die unverdaulichen Reste wie z.B. Knochen, Haare, Federn werden im Magen zu rundlichen, filzigen Ballen zusammengepresst und wieder ausgewürgt. Sie werden als Gewölle bezeichnet. Größere Beute sowie das Futter für die Nestlinge werden zerkleinert. Verklemmt sich beim Herunterschlingen die Nahrung im Schlund, wird sie mit einem der Fänge wieder herausgeholt.

 

Bleibt die Flugjagd erfolglos, fliegt er meist Ansitzwarten an. Das können Baumstümpfe oder Zaunpfähle sein, die ihm einen Überblick über beutereiche Stellen seines Reviers ermöglichen. Diese Plätze befinden sich häufig nur fünfzig bis siebzig Zentimeter über dem Erdboden. Dort verharrt er bis zu einer Stunde. Häufig würgt er in dieser Zeit seine Gewölle aus. Ansitz- und Flugjagd wechseln sich meist mehrfach in der Nacht ab. Die Jagdzeit endet mit der Morgendämmerung.


RWJunior stellt vor: Haselmaus - Tier des Jahres 2017

Foto/Quelle:  Exlibris Publish
Foto/Quelle: Exlibris Publish

Die Haselmaus (Muscardinus avellanarius) ist ein mausähnliches, nachtaktives Nagetier aus der Familie der Bilche. Sie wiegt 15 bis 40 Gramm und wird knapp 15 Zentimeter lang, fast die Hälfte der Länge entfällt dabei auf den Schwanz. Das Fell ist gelbbräunlich bis rotbräunlich mit einem weißen Fleck an Kehle und Brust, am Schwanz ist es meist etwas dunkler. Sie wird in freier Wildbahn drei bis vier Jahre alt und ist mit einem Jahr geschlechtsreif.

 

Ihr bevorzugter Lebensraum sind Mischwälder mit reichem Buschbestand in Mittel-, Nord- und Osteuropa. Besonders beliebt sind Haselsträucher. Durch die Zerstörung und Zerstückelung der Lebensräume ist die Haselmaus im nördlichen Europa (England, Schweden, Deutschland, Dänemark) seltener geworden. Die Haselmaus wurde durch die Schutzgemeinschaft Deutsches Wild und die Deutsche Wildtier Stiftung als Tier des Jahres 2017 ausgewählt.

 

Tagsüber schläft sie in ihrem etwa faustgroßen, kugelförmigen Nest (Kobel), das sie meist aus Grasspreiten oder Laubblättern baut und in Büschen und Bäumen aufhängt. Oft benutzt sie auch Nisthöhlen und Nistkästen. In der Zeit von Mai bis Ende Oktober streift sie nachts umher und ernährt sich von Knospen, Samen, Beeren, Insekten, Vogeleiern, kleinen wirbellosen Tieren, Walnüssen und Haselnüssen. Sie gehört somit zu den Allesfressern.

 

Den Winterschlaf verbringt sie in einem anderen, frostsicheren Nest in Erdhöhlen oder Baumstümpfen. Dabei reduziert sich ihre Körpertemperatur deutlich. Das Weibchen wirft ein- bis zweimal im Jahr zwei bis fünf Junge, die in einem etwas größeren Nest bis zu ihrer Unabhängigkeit, die etwa 40 Tage nach der Geburt beginnt, bei der Mutter bleiben. Zum Säugen besitzt das Haselmausweibchen vier Paar Zitzen, an denen die Jungen etwa einen Monat saugen. Die Tragzeit beträgt etwa 22 bis 24 Tage.

 

Die Haselmaus ist ein hervorragender Kletterer, der sich auch auf den dünnsten Zweigen wohl fühlt und die meiste Zeit in den Bäumen lebt. Dabei benutzt sie zum Teil die Hangeltechnik der Affen, um sich fortzubewegen. Das Revier der Haselmaus, das sie mit Urin und Sekreten aus den Analdrüsen markiert (Wirbeltierpheromone), hat einen Radius von etwa 150 bis 200 Metern.

 

Hauptfeinde sind Rotfuchs, Mauswiesel und das Hermelin. Weitere Feinde sind Greifvögel und Eulen, etwa die Schleiereule und der Waldkauz. Da sie sich nicht verteidigen können, sind Haselmäuse Fluchttiere. Während der Winterruhe werden sie gelegentlich von Wildschweinen ausgegraben und verzehrt.